Der Bundesverband Freie Darstellende Künste e.V. (BFDK) sammelt in seinem Forschungsprojekt „Systemcheck“ erstmals systematisch wissenschaftliche Daten zur sozialen Lage von Menschen, die freischaffend in den darstellenden Künsten arbeiten. Jetzt sind zwei neue Publikationen erschienen, die auch auf einer Fachkonferenz am 22. und 23. November vorgestellt und diskutiert wurden.

Presse

„Wir sehen in unserer Forschung ganz deutlich, dass Armut Künstler*innen nicht beflügelt“, erläutert Prof. Dr. Axel Haunschild vom Institut für interdisziplinäre Arbeitswissenschaften der Leibniz Universität Hannover, einem der  Projektpartner von “Systemcheck”, „Das Gegenteil ist der Fall: soziale Unsicherheit – verbunden mit der Sorge um die eigene Existenz – wird als starkes Hindernis für die Entfaltung künstlerischer Kreativität wahrgenommen. Und die aktuellen Sicherungssysteme, wie etwa die Künstlersozialkasse, reichen für eine umfassende Absicherung nicht aus.“

Nachzulesen sind die Ergebnisse der qualitativen Forschung im Diskussionspapier „Individuuen & Umstände. Beschäftigungsformen, soziale Sicherungen, Selbstverständnisse und Bewältigungsstrategien in den freien darstellenden Künsten“. 

Ein zweites Diskussionspapier „In search of fair systems. Examining social security for artists in Europe zeigt mit Blick auf das europäische Ausland, dass Ansätze zur besseren Absicherung bestehen. So haben Portugal und Belgien Instrumente entwickelt, mit denen sich Kunstschaffende in Zeiten ohne Erwerb einfacher absichern können. Für andere Felder der sozialen Absicherung, etwa die Elternschaft, fanden sich bisher keine Good-Practice-Beispiele. 

Auf der Fachkonferenz SYSTEM VERÄNDERN - FAIRER ARBEITEN am 22. und 23.11.2022 wurden die Zwischenergebnisse von „Systemcheck“ vorgestellt und mit Expert*innen aus Verbänden und Praxis diskutiert. Deutlich wurde hier noch einmal, dass die Frage der sozialen Absicherung von Selbstständigen weit über die darstellenden Künste hinaus geht. Vielmehr handelt es sich um ein gesamtgesellschaftliches Thema, für das die darstellenden Künste und insbesondere das Projekt „Systemcheck“ beispielhaft Lösungen finden können. 

Zum Programm der Fachkonferenz: https://cutt.ly/9M4SSEN 

Eine Videodokumentation der Veranstaltung wird folgen. 

Publikationen im Projekt „Systemcheck“

Weitere Publikationen unter diesem Link

Pressekontakt

Cilgia Gadola, Projektleitung

Tel.: 030. 51 56 52 5-52

E-Mail: @email

Zum Projekt „Systemcheck“

„Systemcheck“ untersucht über drei Jahre die Arbeitsrealitäten von Soloselbstständigen und Hybrid-Beschäftigten. Diese Untersuchung findet auf verschiedenen Ebenen statt: 

  • durch quantitative und qualitative Studien,
  • durch Workshops mit Akteur*innen der Szene, die verschiedene Thematiken fokussieren,
  • durch Themendossiers die die Arbeitsrealitäten der Akteur*innen aus verschiedenen Perspektiven näher beleuchten und
  • durch mehrere Fachkonferenzen, die als Diskussions- und Vernetzungsort dienen.

Angestrebtes Ergebnis des Projektes ist die Formulierung wissenschaftlich fundierter und partizipativ im Feld entwickelter Handlungsbedarfe zur zukünftigen Gestaltung der sozialen Absicherungssysteme.

Infos und Neuigkeiten zum Projekt finden Sie auf der Website des BFDK

Gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.