Die Delegiertenversammlung des Bundesverbands Freie Darstellende Künste beschließt Anpassung der Honoraruntergrenzen-Empfehlung

Der Bundesverband Freie Darstellende Künste (BFDK) hat auf seiner Delegiertenversammlung am 13. März 2017 beschlossen, die bereits 2015 herausgegebene Empfehlung einer Honoraruntergrenze im Bereich der freien darstellenden Künste entsprechend der Aktualisierung des Tarifvertrages Normalvertrag Bühne (NV Bühne) anzupassen. Mit sofortiger Wirkung empfiehlt der BFDK eine Anhebung der Honoraruntergrenze auf 2.300 Euro im Monat für Berufsgruppen mit Versicherungspflicht in der Künstlersozialkasse (KSK) sowie auf 2.660 Euro im Monat für Berufsgruppen, bei denen eine soziale Absicherung über die KSK nicht möglich ist.

2015 wurde mit der ersten Empfehlung einer Honoraruntergrenze von Seiten des Bundesverbandes auf das Fehlen anerkannter sozialer Mindeststandards im Bereich der freien darstellenden Künste reagiert. Bundesweit ist in der Folge eine längst fällige, breite Diskussion über die sozialen Rahmenbedingungen in den freien darstellenden Künsten entstanden. Nach wie vor stehen dem großen Engagement und der (inter-)nationalen Relevanz der freischaffenden Künstlerinnen und Künstler im Bereich der freien darstellenden Künste häufig fragwürdige Arbeitsbedingungen gegenüber. Selbst in öffentlich geförderten Projekten sind Stundenlöhne, die deutlich unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen, keine Seltenheit.
Die Honoraruntergrenzen-Empfehlung bietet sowohl für die fördernden Institutionen in den Bundesländern und Kommunen als auch für die Akteur*innen selbst eine wichtige Bemessungsgrundlage fairer Honorare.
Die vom BFDK empfohlene Untergrenze bezieht sich auf die im Tarifvertrag NV Bühne festgelegte monatliche Mindestgage, die ab 1. Januar dieses Jahres 1.850 Euro beträgt. Bei der Berechnung der BFDK-Empfehlung wird mit Blick auf die Selbständigkeit der freischaffenden darstellenden Künstler*innen ein entsprechendes Äquivalent an Arbeitgeberkosten hinzugerechnet, die von den Selbständigen getragen werden müssen.
»Es ist unerlässlich, dass sich auch freiproduzierende Künstler*innen und andere Akteur*innen der Freien Szene auf Mindeststandards berufen können. Dies ist ein essentieller Schritt zur Etablierung angemessener Honorare, die der Professionalität und Bedeutung der freien darstellende Künste entsprechen.« (Stephan Behrmann, Geschäftsführer BFDK)
Im Rahmen der Delegiertenversammlung wurden auch die Vorsitzende Janina Benduski sowie ihre Stellvertreter*innen Anne-Cathrin Lessel und Tom Wolter in ihrem Amt bestätigt. Ebenso wurde den Beisitzer*innen Harald Redmer, Ulrike Seybold und Axel Tangerding erneut das Vertrauen ausgesprochen. Neu in den Vorstand gewählt wurde Susanne Reifenrath vom Dachverband freie darstellende Künste Hamburg.
Wichtige Arbeitsschwerpunkte des Bundesverbandes Freie Darstellende Künste sind die Verbesserung der sozialen und produktionsbedingten Rahmenbedingungen in den freien darstellenden Künsten einschließlich der Durchsetzung der empfohlenen Honoraruntergrenze, die Ausdifferenzierung der Förderstrukturen auf Bundes- und Länderebene, die Weiterentwicklung von Qualifizierungsangeboten sowie die Fortentwicklung von Strategien und Maßnahmen im Bereich der kulturellen Bildung.
Hier finden Sie die Empfehlung des Bundeskongressen 2015 im Wortlaut: http://darstellende-kuenste.de/images/assets/Uploads/Meldung/Downloads/BFDK20151014EmpfehlungHonoraruntergrenze.pdf

 

Verwandte Inhalte

Wir sind die Allianz der Freien Künste. Ein Gastbeitrag von Johannes Weiss, Musiker
Mein Beruf ist das Musikmachen – Barockmusik, um genau zu sein. Ich bin Künstler. Freiberuflich. Und das sehr gerne. Was mir und vielen Kolleginnen und Kollegen aber sauer aufstößt, ist nicht die Art der Beschäftigung, es sind die sozialen Umstände und...

Mehr

Positionspapier der Allianz der Freien Künste vorgestellt
Die Allianz der Freien Künste hat sich als Stimme und Plattform für die Freien Künste auf Bundesebene erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Mitglieder sind Bundesverbände unterschiedlicher künstlerischer Sparten und Praktiken – auch der BFDK.

Mehr

Positionspapier der »Allianz der Freien Künste«
Der offene Zusammenschluss »Allianz der Freien Künste« und die in diesem Kontext entstandenen acht Kernforderungen an die Politik, an denen der BFDK maßgeblich mitgewirkt hat, wurden am 27. Juni 2017 im Rahmen einer Pressekonferenz einer breiten...

Mehr

Kalkulationshilfe Honoraruntergrenze des Landesverbandes der Freien Theater in Sachsen
Der Landesverband der Freien Theater in Sachsen beschäftigte sich im April 2017 erneut mit der Honoraruntergrenze sowie der Kalkulationshilfe für (sächsische) Tanz- und Theaterschaffende. Die aktualisierte Berechnungshilfe zur Honoraruntergrenze kann...

Mehr

BFDK fordert: Keine Kulturkürzungen in Marburg
Anlässlich der im Haushaltsentwurf der Stadt Marburg für das Jahr 2017 von SPD und CDU eingeplanten Kürzungen des Kulturetats um 12 Prozent, fordert der Bundesverband Freie Darstellende Künste den Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und die...

Mehr

Social-Share-Buttons