Soziale Lage

Die soziale und wirtschaftliche Lage der Tanz- und Theaterschaffenden ist eines der wichtigsten Themen des Bundesverbandes. Wir setzen uns ein für eine stabile Künstlersozialkasse und für ein gutes Auskommen aller Kolleginnen und Kollegen.

Die meisten Künstler verfügen heute über einen Hochschulabschluss, sie sind hochqualifiziert. Sie haben spezifische künstlerische Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben und damit die persönliche Grundlage für ein erfolgreiches Berufsleben gelegt. Trotz ihrer hohen Qualifikation verfügen sie aber oft nur über ein relativ bescheidenes Einkommen und arbeiten unter risikoreichen Bedingungen.

Selbstständige oder befristet angestellte Künstler gelten seit Ende der 80er-Jahre auf den expandierenden Arbeitsmärkten von Dienstleistungen, Medien, Wissenschaft sowie Kultur und Kunst als Prototypen neuer Selbst- und Einzelunternehmer. Sie zeichnen sich durch Flexibilität, Mobilität, Parallelarbeit und ein hohes Maß an Risikobereitschaft aus und können sich aber nur behaupten, wenn sie über ihre berufliche Qualifikation hinaus Zusatzkompetenzen wie Selbstvermarktungs- und Selbstorganisationsfähigkeiten entwickeln.

Die Einkommens- und Marktposition der Selbstständigen ist durch Konkurrenz mit anderen Berufsgruppen und durch hohen individuellen Einsatz gekennzeichnet. Für sie gibt es spezielle soziale Sicherungssysteme, wie insbesondere die Künstlersozialversicherung. Es bleibt aber zu fragen, ob sich hierbei tatsächlich ein neuer Typus von professioneller Selbstständigkeit entwickelt oder ob eher schwierige, instabile berufliche Existenzen begründet werden.

Wohl zu Recht wird angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Lage vieler Künstler von sozialer Exklusion und von Armut gesprochen. Die betroffenen Künstler verfügen allerdings oft über mehr Sicherheit und Erfahrungen im Umgang mit knappen Mitteln. Die Delegiertenversammlung des Bundesverband Freie Darstellende Künste hat daher auf ihrer Versammlung am 14. Oktober 2015 in Hamburg erstmals zum Thema Mindesthonorare Stellung genommen und im Ergebnis einstimmig eine entsprechende Empfehlung verabschiedet.

Ein weiteres großes Problem der freien Tanz- und Theaterschaffenden besteht hinsichtlich der Alterssicherung. Hierbei sind ihre geringen Einkünfte ausschlaggebend, die systemimmanent auch geringe Renten nach sich ziehen. Zwar fordern Künstler mehr Beratungen zum Thema Altersvorsorge, doch noch nicht allen ist die Notwendigkeit der Altersvorsorge bewusst. Die hier dargestellten Zusammenhänge werden vom Bundesverband mit Sorge beobachtet und erfordern entsprechendes politisches Handeln.

Zusammen mit dem Fonds Darstellende Künste hat der Verband eine groß angelegte Studie zur sozialen Lage freier Tanz- und Theaterschaffenden durchgeführt. Die Ergebnisse flossen ein in den „Report Darstellende Künste“ (2008) sowie ein zweitägiges Symposium. Dadurch erreichte die Debatte zu Fragen der sozialen Sicherheit für Freischaffende Künstler/innen die notwendige breite Aufmerksamkeit – basierend auf validen statistischen Daten.

Verwandte Inhalte

Wir sind die Allianz der Freien Künste. Ein Gastbeitrag von Johannes Weiss, Musiker
Mein Beruf ist das Musikmachen – Barockmusik, um genau zu sein. Ich bin Künstler. Freiberuflich. Und das sehr gerne. Was mir und vielen Kolleginnen und Kollegen aber sauer aufstößt, ist nicht die Art der Beschäftigung, es sind die sozialen Umstände und...

Mehr

Positionspapier der Allianz der Freien Künste vorgestellt
Die Allianz der Freien Künste hat sich als Stimme und Plattform für die Freien Künste auf Bundesebene erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Mitglieder sind Bundesverbände unterschiedlicher künstlerischer Sparten und Praktiken – auch der BFDK.

Mehr

Positionspapier der »Allianz der Freien Künste«
Der offene Zusammenschluss »Allianz der Freien Künste« und die in diesem Kontext entstandenen acht Kernforderungen an die Politik, an denen der BFDK maßgeblich mitgewirkt hat, wurden am 27. Juni 2017 im Rahmen einer Pressekonferenz einer breiten...

Mehr

BFDK fordert: Keine Kulturkürzungen in Marburg
Anlässlich der im Haushaltsentwurf der Stadt Marburg für das Jahr 2017 von SPD und CDU eingeplanten Kürzungen des Kulturetats um 12 Prozent, fordert der Bundesverband Freie Darstellende Künste den Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und die...

Mehr

BFDK fordert: Keine Kulturkürzungen in Marburg
Anlässlich der im Haushaltsentwurf der Stadt Marburg für das Jahr 2017 von SPD und CDU eingeplanten Kürzungen des Kulturetats um 12 Prozent, fordert der Bundesverband Freie Darstellende Künste den Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und die...

Mehr

Social-Share-Buttons