Geschlechtergerechtigkeit in den Darstellenden Künsten - Leitbild des BFDK

Der Bundesverband Freie Darstellende Künste setzt sich für eine Gesellschaft ein, in der Frauen, Männer und Transgender die gleichen Chancen und Voraussetzungen im Familien- und Berufsleben erhalten und in der die Gleichstellung unabhängig vom Geschlecht gelebte Realität ist.

Trotz diverser Maßnahmen und Vorstöße hin zu gerechteren Perspektiven für alle Geschlechter besteht weiter großer Handlungsbedarf, wie der von Monika Grütters einberufene Runde Tisch  »Frauen in Kultur und Medien«, der auf die gleichnamige Studie des Kulturrates folgte, deutlich machte. Die Mitte Juli 2017 veröffentlichten Forderungen, an denen verschiedenste Vertreter*innen aus dem Kultur- und Medienbereich, u.a. die Vorsitzende des BFDK Janina Benduski mitgewirkt haben, enthalten konkrete Vorschläge für weitere Aktionsfelder. Zudem werden bereits bestehende Ansätze in ihrer Notwendigkeit bekräftigt.

Der Bundesverband Freie Darstellende Künste unterstützt seine Mitglieder dabei, entsprechende Maßnahmen auf den Weg zu bringen und Rahmenbedingungen und Arbeitsstrukturen im Sinne der Diversität und Gleichstellung weiterzuentwickeln.

Frauen müssen in gleichem Maße wie Männer leitende Funktionen und Gremienposten bekleiden, auf diesem Weg gesellschaftsprägende Entscheidungsprozesse mit gestalten und somit das nach wie vor männlich geprägte und überholte Frauenbild in weiten Teilen der Gesellschaft erneuern können. Wesentliche Aspekte dieser Gleichstellung sind die Aufhebung des eklatanten »Gender Pay Gaps« und des so genannten »Gender Care Gaps«.

Eine geschlechtsneutrale Honorierung und die Transparenz in Bezug auf die vorhandene Lohnstruktur sind in diesem Kontext ebenso essentiell wie die Unterstützung und aktive Begleitung von Frauen am Anfang ihres Berufsweges. Im Bereich der Künste konnte die vom Deutschen Kulturrat erwähnte Studie eindrücklich aufzeigen, dass bei gleicher Qualifizierung und Begabung überdurchschnittlich viele Männer erfolgreiche Künstlerkarrieren realisieren, was laut der Studie nur teilweise mit der Parallelität von Familienplanung und beruflicher Karriere zu erklären ist und vielmehr auf die tendenziell vorhandene Überschätzung von Männern durch Männer wie Frauen und die tendenziell vorhandene Unterschätzung von Frauen durch Männer wie Frauen zurückzuführen ist.

Es bedarf entsprechender Maßnahmen, diese Strukturen zu durchbrechen. Dazu gehören Coachings und spezielle Beratungsangebote für Frauen ebenso wie die Durchsetzung von paritätischen Besetzungen und die Berücksichtigung von Frauen, die für entsprechende Prozesse sensibilisiert sind, in den diversen Gremien und Jurys. 

Es gilt, die an Kinder vermittelten Rollenbilder im Kindergarten, in der Schule, durch Medien und Politik, zu überprüfen und hier rassistische wie sexistische Prägungen zu überwinden!

Es gilt, Eltern darin zu unterstützen ihr Familienleben unabhängig vom Geschlecht der einzelnen Elternteile zu gestalten und somit entsprechend selbstbestimmte und gleichwertige Rollenbilder vorzuleben!

Es gilt, explizit junge Frauen am Beginn ihrer Karriere zu unterstützen und zeitgleich am Abbau der Ressentiments gegenüber Frauen in den verschiedenen Gremien zu arbeiten!

Es gilt, paritätische Besetzung von Gremien und Jurys und regelmäßige Konferenzen einzuführen, die für die Gleichstellung von Frauen und Männern wirken.

Es gilt, jegliche Chancen- und Tarifunterschiede abzubauen und durch angepasste strukturelle Rahmenbedingungen, wie beispielsweise neue Elterngeldregelungen für Akteur*innen der freien darstellenden Künste und eine Reform der Kinderbetreuung, Freiräume für ein gelebtes gleichberechtigtes Miteinander zu schaffen.

Darüber hinaus appelliert der BFDK an politische und öffentliche Instanzen und Institutionen, die oben genannten Forderungen aufzunehmen und entsprechende Änderungsprozesse anzustoßen und zu unterstützen.

Die Einrichtung des »Projektbüros Frauen in Kultur und Medien« beim Deutschen Kulturrat ist ein erster wichtiger Schritt auf diesem Weg.

Selbstverpflichtung

Der Bundesverband Freie Darstellende Künste beruft paritätisch besetzte Gremien und Jurys ein, strebt bei Auftragsvergabe ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis an, zahlt Menschen mit gleicher Qualifikation unabhängig von ihrem Geschlecht das gleiche Gehalt bzw. Honorar, treibt die Sensibilisierung für Geschlechterungerechtigkeit voran und gewährleistet familienfreundliche Arbeitsbedingungen.

Weiterführende Informationen: https://www.kulturrat.de/pressemitteilung/deutscher-kulturrat-richtet-projektbuero-frauen-in-kultur-und-medien-ein

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