Freie Szene Sachsen: Ergebnisse der Umfrage zur Erfassung der in Anspruch genommenen Covid-19-bedingten Hilfsmaßnahmen in den freien darstellenden Künsten in Sachsen

Die gegenwärtige Covid-19-Pandemie muss für freie Theatermacher*innen im Freistaat Sachsen als existenziell bedrohlich eingeschätzt werden. Das hat die Befragung von 93 freien Theaterschaffenden im Freistaat Sachsen ergeben. 70 Prozent von ihnen sehen sich in ihrer finanziellen Existenz gefährdet. Die Hälfte der Befragten verzeichnet durch geringere Honorare und weniger Aufträge hohe finanzielle Einbußen. 42 Prozent erhält derzeit gar keine Honorare oder Aufträge. 

Dabei greifen die Hilfsmaßnahmen vom Bund und Freistaat Sachsen durchaus:  Soforthilfen des Bundes und des Freistaates Sachsen sowie die entstandenen Stipendienprogramme sind die von den an den Umfrage-Teilnehmenden am meisten genutzten Hilfsmaßnahmen, um die durch die COVID-19-Pandemie eingetretenen Einnahmeverluste aufzufangen. Die Hälfte der Befragten gab an, Soforthilfen des Bundes oder des Freistaates Sachsen beantragt oder in Anspruch genommen zu haben.  Stipendien vom Bund, vom Freistaat Sachsen – etwa DENKZEIT der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen – und der Kommunen beantragten oder erhielten 46% der Befragten – also fast die Hälfte der Befragten. Soforthilfe-Programme der Kommunen beantragten oder nutzten 29% der Befragten, während sich nur 3% der Befragten zu einer Kreditaufnahme entschließen konnten. 

28%, also mehr als ¼ der Befragten, beantragte oder nahm staatliche Sozialleistungen – etwa ALGII – in Anspruch. Die nach Bekanntgabe der Soforthilfe des Bundes, welche die Lebenshaltungskosten der Solo-Selbständigen nicht berücksichtigte, geäußerte Befürchtung, dass sehr viele freie Theatermacher:innen in Hartz IV abgedrängt würden, scheint sich zumindest bei den an der Umfrage Teilnehmenden aktuell nicht zu bestätigen. Der Anteil derjenigen jedoch, die stattdessen finanzielle Hilfen aus dem Familienkreis nutzten, ist mit 25% sehr hoch. Dies zeigt, dass eine Scheu bei einem Großteil der freiberuflich tätigen Theaterschaffenden in Sachsen besteht, staatliche Sozialleistungen - trotz eines derzeit erleichterten Zugangs -  in Anspruch zu nehmen. 

Die Zukunftsaussichten sind von Verunsicherung geprägt: Mehr als die Hälfte der Befragten (64 %) gab an, in nächster Zeit finanzielle Unterstützung beantragen zu wollen, da ihre Auftraggeber:innen aufgrund finanzieller Schwierigkeiten durch die Covid-19-Pandemie in ihrem Fortbestand gefährdet seien. 57% der Befragten können derzeit Aufgaben ihrer Tätigkeiten nur sehr stark eingeschränkt ausführen. Bei 37% der Befragten ruht ihre berufliche Tätigkeit gegenwärtig sogar.                                                                                      

Dabei sind die Befragten in der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit flexibel: 76% der Befragten gaben an, zum jetzigen Zeitpunkt ihr künstlerisches Angebot an die aktuelle Situation angepasst zu haben. Wenig optimistisch schaut mehr als die Hälfte, nämlich 52% der Befragten in die Zukunft, denn sie befürchten, dass viele ihrer Kolleg:innen in den freien darstellenden Künsten und vielleicht auch sie selbst, ihren derzeitigen Job verlieren werden. 59% der Befragten sind der Auffassung, dass die freien darstellenden Künste in Sachsen durch den Lockdown in der Covid19-Pandemie besonders stark beeinträchtigt sind. 

Aus dieser Zwischenbilanz, die einen Überblick über bis Ende Juli 2020 von freien Theatermacher:innen im Freistaat Sachsen genutzten Hilfsmaßnahmen geben soll, ergibt sich angesichts der Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie ein dringender Handlungsbedarf, nämlich den freien Theatermacher:innen die Ausübung ihres Berufes wieder zu ermöglichen – auch um die sächsische freie Theaterszene zu erhalten, die als jüngste Sparte sächsischer Theaterkunst ein Resultat des gesellschaftlichen Aufbruchs von 1989 darstellt.

Die Ergebnisse im Einzelnen: www.servicestellefreieszene.de

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