UTOPIA.JETZT: Bislang größter Bundeskongress der freien darstellenden Künste beendet

Am 19. Januar 2019 ging nach vier intensiven Kongresstagen UTOPIA.JETZT, der fünfte Bundeskongress der freien darstellenden Künste, zu Ende. Mit ca. 600 Teilnehmer*innen, 89 Referent*innen und 60 Veranstaltungen, war der Kongress der bislang größte des Bundesverbands Freie Darstellende Künste (BFDK). Während des Bundeskongresses begrüßte der BFDK mit dem Bundesverband Zeitgenössischer Zirkus (BUZZ) ein neues Assoziiertes Mitglied im Verband und der europäische Dachverband der Freien Darstellenden Künste (EAIPA) wurde um die Länder Ukraine und Slowakei erweitert. Im Zentrum aller Diskurse über Utopien wie praktische Zukunftsschritte der freien darstellenden Künste standen die Themen der utopischen Räume Diversität, Nachhaltigkeit und Solidarität.

Besonders deutlich zeigte sich vor allem im Gespräch mit internationalen Künstler*innen die Notwendigkeit, sich noch entschiedener gegen den erstarkenden Rechtspopulismus in Deutschland sowie auf europäischer und internationaler Ebene zu formieren. Es gilt, verstärkt die Freiheiten der Kunst als Pfeiler einer demokratischen Gesellschaft zu stützen. Der BFDK wird seine diesbezüglichen Aktivitäten u. a. zusammen mit Partnern wie dem Europäischen Dachverband (EAIPA) vertiefen und ausweiten.

Im Gespräch um die eigenen Strukturen stand die Frage nach Arbeits- und Lebensmodellen im Zentrum wie z. B. der hybride Erwerbsstatus zwischen Selbstständigkeit und abwechselnden Phasen der Anstellung, der in Deutschland nach wie vor nicht genügend sozial abgesichert ist. Auch die Honoraruntergrenzenempfehlung, die während des Bundeskongresses 2015 beschlossen wurde, ist trotz erster Erfolge noch immer nicht flächendeckend etabliert und wird zudem oft fälschlicherweise als Höchstsatz interpretiert. Ausgehend von diesen Erfahrungen, soll in Zukunft stärker in Richtung einer bundesweit geltenden mehrstufigen  Honorarempfehlung gearbeitet werden.

Erfreulich war die wiederholte Bestätigung, dass kollektive Leitungs- und Führungskonzepte, die grundlegend für die Arbeit in den Freien Künsten sind, verstärkt zum Vorbild in anderen Arbeitskontexten werden und auch die Vorreiterrolle im Bereich der Kulturellen Bildung Anerkennung findet. Gerade bei Organisations- und Machtstrukturen werden viele der fortgeschrittenen Modelle, die die Freien Künste selbstverständlich seit Jahrzehnten nutzen, nun zu beliebten Vorbildern für die Institutionen der darstellenden Künste.

Auch Generationswechsel und Transformationsprozesse waren viel diskutierte Themen. Insbesondere in eher ländlich geprägten Räumen stehen viele von der Gründergeneration geschaffene Theaterstrukturen vor akuten Bestandsfragen. Der Wissenstransfer zwischen den Generationen der freien darstellenden Künste wiederum erscheint enorm gewinnbringend und gerade Ausbildungsinstitutionen könnten von der vorhandenen Expertise  profitieren.

Der Bundeskongress wird umfassend dokumentiert. Videomitschnitte, Bilder und viele andere Materialien finden sich unter: http://utopia-jetzt.de/de/blog

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