Vital, professionell – prekär? Kongress zu Gegenwart und Perspektive der freien Darstellenden Künste in Deutschland und Europa

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Unter dem programmatischen Titel „vielfalt gestalten – frei und fair arbeiten“ lädt der Bundesverband Freier Theater e.V. (zukünftig: Bundesverband freie Darstellende Künste e. V.) – kurz: BUFT – vom 15. bis 17. Oktober 2015 auf Kampnagel in Hamburg zu seinem 4. bundesweiten und internationalen Fachkongress ein. Erwartet zu den insgesamt über 40 Einzelveranstaltungen werden ca. 300 TeilnehmerInnen und über 50 ReferentInnen.

Mit rund 1.200 organisierten Tanz- und Theatergruppen, Produktionshäusern und SoloakteurInnen in 15 Landesverbänden ist der Verband mittlerweile die mitgliederstärkste Organisation und Interessenvertretung der professionellen Darstellenden Künste in Deutschland. Im 25. Jahr seines Bestehens will der BUFT auf seiner Tagung in Hamburg Bilanz ziehen und die gegenwärtige Situation der Freien Szene und der in ihr arbeitenden KünstlerInnen beleuchten.

 

Schon 2007 hatte die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Kultur in Deutschland“ festgestellt, das Freie Theater bilde, neben den Stadt- und Staatstheatern, die zweite tragende Säule der Darstellenden Künste in Deutschland. Der 2010 vorgelegte „Report Darstellende Künste“ als erste umfassende Sozialstudie zur Freien Szene seit 1975 machte deutlich, dass die häufig prekäre Lage der KünstlerInnen im Wesentlichen auf Strukturveränderungen im Bereich der Bühnenkünste zurückzuführen ist. Umso erfolgreicher freie Tanz- und Theaterproduktionen wurden, desto sichtbarer traten aus sozialpolitischer Perspektive auch die ökonomischen Probleme freier Produktionsformen und die mangelnde Reaktion der Instrumente der Kulturförderung in Bund, Ländern und Kommunen darauf zutage. 2014 schließlich veröffentlichte der Bundesverband Freier Theater e.V. (zukünftig: Bundesverband freie Darstellende Künste e. V.) selbst eine umfassende Studie („Freie Darstellende Künste in Deutschland 2014. Daten und Analysen“) u. a. zur wirtschaftlichen Lage der eigenen Mitglieder.

 

Der BUFT begreift sich also ebenso als Fachverband der Darstellenden Künste, der seine Mitglieder inhaltlich kompetent berät und unterstützt, wie auch als starker Interessenvertreter der freien Theaterszene, für die größere ökonomische und soziale Stabilität in ihrer professionellen künstlerischen Arbeit nicht nur wünschenswert, sondern notwendig ist.

Martin Heering, Geschäftsführer des Bundesverbandes, konstatiert im Bedeutungszuwachs der Szene und ihrer Vitalität einen Ausdruck des Wandels von Theateröffentlichkeit insgesamt, sieht aber zugleich die Probleme und fordert: „Deshalb muss diese neue Vielfalt gestaltet werden. Das kann nur gelingen, wenn wir zusammen mit den PartnerInnen aus Kulturinstitutionen, Politik und Verwaltung die entsprechenden Rahmenbedingungen weiterentwickeln. Freie Darstellende Künste brauchen ein professionelles Umfeld und moderne Kooperationen.“

Mit seinem Kongress in Hamburg setzt der Bundesverband ein starkes Signal für seinen Anspruch zur Mitgestaltung dieser Prozesse: In den vier Programmlinien „Theaterstrukturen der Zukunft“, „Zwischen Berufung und Beruf“, „Kulturelle Bildung“ und „Schlaglicht Europa“ werden Potentiale und Strategien für die strukturelle Weiterentwicklung der Theaterlandschaft in Deutschland und die Darstellenden Künste insgesamt diskutiert.

Dass es durchaus Grund zum Optimismus gibt, ergänzt Alexander Pinto, verantwortlich für das Programm der Tagung und stellvertretender Verbandsvorsitzender: „Einladungen zum Theatertreffen nach Berlin, Kooperationen zwischen Stadttheatern und freien Gruppen, Großprogramme für Kulturelle Bildung, die kontinuierliche Bespielung des ländlichen Raums und eine sich verändernde Berufungspolitik für Intendanzen wie zuletzt in Berlin oder München zeigen dies exemplarisch.“

Die Fülle der Präsentationsformen mit Panels, Podien Workshops, Projekttreffen, Diskussionen, Arbeitsgruppen, einem performativen Hamburger Stadtrundgang, dem Partnertreffen der internationalen Verbände sowie dem künstlerischen Rahmenprogramm in Kooperation mit Hamburger Off-Theatern spiegelt dabei die Bandbreite der Themen wie die vielfältigen persönlichen, beruflichen – und damit natürlich auch künstlerischen – Hintergründe aller KongressteilnehmerInnen.

 

Als ReferentInnen, Keynote-Speaker und DiskutantInnen sind u. a. vorgesehen: Dr. Stephanie Bauer, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB); Amelie Deuflhard, Künstlerische Leiterin von Kampnagel, Hamburg; Prof. Dr. Wolfgang Engler, Rektor der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin; Prof. Dr. Axel Haunschild, u.a. Direktor des Instituts für interdisziplinäre Arbeitswissenschaft an der Leibniz Universität Hannover; Prof. Barbara Kisseler, Kultursenatorin der Freien und Hansestadt Hamburg sowie Präsidentin des Deutschen Bühnenvereins; Rüdiger Kruse, Mitglied des Deutschen Bundestages (CDU), u. a. ordentliches Mitglied des Haushaltsausschusses, Berichterstatter für Kultur und Medien sowie Mitglied des Kunstbeirats; Jörg Löwer, Präsident der Genossenschaft Deutscher Bühnen- Angehöriger; Thomas Matschoss, Regisseur, Autor, mit Anja Imig Leitung des Jahrmarkttheaters in der Lüneburger Heide; Dr. Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele; Christian Römer, Heinrich-Böll-Stiftung; Prof. Dr. Wolfgang Schneider, u. a. Direktor des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim und Inhaber des UNESCO Chair in Cultural Policy for the Arts in Development; Kathrin Tiedemann, Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Forum Freies Theater (FFT), Düsseldorf.

 

Der Titel „vielfalt gestalten – frei und fair arbeiten“ macht klar, dass es bei dem BUFT-Kongress nicht nur um den reinen Austausch zwischen den TeilnehmerInnen – ReferentInnen wie Gäste – gehen wird: Geplantes Ergebnis des Kongresses sind konkrete Handlungsempfehlungen für Bund, Länder und Kommunen. Sie sollen in einer für 2015/2016 geplanten Publikation zusammengefasst werden. Damit schärft der Bundesverband Freier Theater e.V. (zukünftig: Bundesverband freie Darstellende Künste e. V.) nicht nur weiter sein Profil als Interessen- und Fachverband der freien Darstellenden Künste, sondern baut auch seine wichtige Scharnierfunktion als Mittler zwischen allen AkteurInnen aus Politik, Verwaltungen, Zivilgesellschaft und Kultur aus.

 

Weitere Informationen/Allgemeines Anmeldeverfahren/Presse-Akkreditierung

Das gesamte Kongressprogramm mit ausführlichen Beschreibungen aller Veranstaltungen und weitere Informationen zu den ReferentInnen sowie das allgemeine Anmeldeformular zur Teilnahme am Kongress und Service-Hinweise finden sich online unter http://www.kongress2015.freie-theater.de.

 

Für die Akkreditierung zum BUFT-Kongress bitten wir die PressevertreterInnen, sich direkt mit der Pressestelle des Kongresses (k3 berlin – Kontor für Kultur und Kommunikation, Prinzenstraße 85f, 10969 Berlin, t. +49(0)30 695 695 24, bureau@k3berlin.de) in Verbindung zu setzen.

 

„vielfalt gestalten – frei und fair arbeiten“ ist eine Veranstaltung des Bundesverbandes Freier Theater e.V. in Zusammenarbeit mit den Landesverbänden. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie durch die Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg. In Kooperation mit Kampnagel Internationale Kulturfabrik Hamburg und K3 - Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg sowie der Heinrich-Böll-Stiftung, dem ITI Deutschland und dem Bund Deutscher Amateurtheater.

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