Deutscher Musikrat und Konferenz der Landesmusikräte fordern Nachbesserungen bei den Regularien der Coronahilfen

Der zweite Lockdown hat zu einem erneuten Stillstand des ohnehin nur eingeschränkt wieder aufgenommenen Kulturlebens in Deutschland geführt. Die Bundesregierung hat mit den November-/ Dezemberhilfen sowie der Überbrückungshilfe III erstmals auch Hilfszahlungen an Soloselbstständige angekündigt. Obwohl soloselbstständige Kreativschaffende von den Corona-Maßnahmen in ihrer Berufs-Ausübung so stark eingeschränkt sind wie nur wenige andere Gruppen, zählen sie bei der November-/ Dezemberhilfe als indirekt betroffen und müssen daher ihre Antragsberechtigung über strenge Kriterien nachweisen. Da diese Regularien der Lebensrealität der freischaffenden Kreativen nur ungenügend Rechnung tragen, werden viele bei den Maßnahmen nicht berücksichtigt.

Hierzu Prof. Martin Maria Krüger, Präsident des Deutschen Musikrates, und Prof. Dr. Ulrike Liedtke, Vorsitzende der Konferenz der Landesmusikräte: Wir begrüßen das Signal der Bundesregierung, auch soloselbstständigen Kreativschaffenden mit einem ‚fiktiven Unternehmerlohn‘ über den erneuten Lockdown hinweg zu helfen, dessen Ende für das Kulturleben noch unabsehbar ist. Doch bedarf es dringender und rascher Nachbesserungen bei den Antragsregularien, damit die versprochenen Hilfen keine leeren Gesten bleiben, sondern wirklich bei den Betroffenen ankommen:

  1. November- und Dezemberhilfe: Soloselbstständige Kreativschaffende sollten bei entsprechendem Nachweis ihrer Tätigkeit automatisch als antragsberechtigt gelten und somit von der Pflicht befreit sein, einen 80-prozentigen Umsatzausfall in den Lockdown-Monaten 2020 und einen 80-prozentigen Umsatz mit vom Lockdown betroffenen Institutionen im Vergleichszeitraum 2019 nachzuweisen.
  2. Neustarthilfe III für Soloselbstständige: Die Betriebskostenpauschale, die geltend gemacht werden kann, muss von aktuell 25% auf mindestens 50% des Vergleichsumsatzes aus 2019 angehoben werden.
  3. Da die Kulturbranche international aufgestellt ist, müssen für beide Hilfsprogramme auch Umsätze, die im Vergleichszeitraum 2019 im Ausland gemacht wurden, in die Umsatzberechnung für den ‚fiktiven Unternehmerlohn‘ mit einfließen können.

Soloselbstständige Kreativschaffende beziehen ihre Einnahmen in der Regel aus einem berufstypischen Mix aus selbst organisierten Konzerten, Fremdengagements im In- und Ausland, Lehrtätigkeiten sowie gvl- und GEMA-Ausschüttungen. Diese Mischverhältnisse sorgen aktuell bei vielen dafür, dass sie die Antragskriterien nicht erfüllen können.

Berlin, 18. Dezember 2020

Deutscher Musikrat Schumannstraße 17 D-10117 Berlin

www.musikrat.de ViSdP: Prof. Christian Höppner

Tel +4930 30881010

Fax +4930 30881011 generalsekretariat@musikrat.de

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

https://www.musikrat.de/fileadmin/files/DMR_Musikrat/Presse/PMs/2020/Dezember/DMR_PM_Deutscher_Musikrat_und_Konferenz_der_Landesmusikräte_fordern_Nachbesserungen_bei_den_Regularien_der_Coronahilfen.pdf

Verwandte Inhalte

ASSITEJ: Förder-Programm »Junges Publikum« Modul A SAVE
Mit Modul A (Realisierung des geplanten Spielbetriebs) des Förderprogramms »Junges Publikum« (NEUSTART KULTUR) sollen die bereits konzipierten und vorbereiteten Spielpläne auch unter den einschränkenden Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie realisiert...

Mehr

ASSITEJ: Förder-Programm »Junges Publikum« Modul B SHOW
Ziel des Moduls B des Förderprogramms »Junges Publikum« (NEUSTART KULTUR) ist, Gastspiele zu ermöglichen und das Theater auch im Rahmen einer aktiven Publikumsgewinnung an neue Orte zu bringen. Mobile Kinder- und Jugendtheater werden so als zentraler...

Mehr

Neustarthilfe Plus
Im Zuge der Überbrückungshilfe III Plus wurde am 01. Juli 2021 die Neustarthilfe Plus eingeführt. Erstanträge können bis zum 30. September 2021 über die Plattform www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de beantragt werden.

Mehr

Deutscher Kulturrat erfreut: Kulturveranstaltungen trotz Corona – Registrierung für Sonderfondsmittel startet
Lang hat’s gedauert und nun geht es endlich los: Der 2,5 Milliarden Euro schwere Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltungen startet! Hier geht es zur Registrierungsplattform. Mit dem Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltungen sollen...

Mehr

Folgen der COVID-19-Pandemie: Öffentliche Anhörung im Bundestag
Das Parlamentarische Begleitgremium Covid-19-Pandemie des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages beschäftigte sich am 10.06.2021 in einem öffentlichen Fachgespräch mit den Folgen der Covid-19-Pandemie für verschiedene Branchen. Befragt wurden...

Mehr

Social-Share-Buttons