Deutsche Künstlerhilfe des Bundespräsidenten unterstützt in Not geratene ältere Künstler*innen

Ältere Künstler*innen (aller Genre), die zum kulturellen Ansehen der Bundesrepublik Deutschland beigetragen haben und durch Umstände verschiedener Art in eine finanzielle Notlage geraten sind, können vom Bundespräsidenten Mittel der Deutschen Künstlerhilfe erhalten. Es handelt sich um Ehrengaben des Bundespräsidenten als Ausdruck des Dankes für besondere kulturelle Leistungen. Der BFDK empfiehlt, Anträge/Vorschläge für 2020 rasch einzureichen!

Die Künstler*innen können eine solche Hilfe bei ihrer Landeskulturverwaltung (z. B. beim Kulturministerium oder bei der Senatsverwaltung des jeweiligen Landes) »beantragen«. Die Künstler*innen können gleichsam auch von ihren Interessenverbänden oder Künstler*innen-Organisationen vorgeschlagen werden.

Die Förderung erfolgt entweder in Form regelmäßiger Zahlungen – hauptsächlich für lebensältere oder schwer erkrankte Künstler*innen – oder als einmalige Zuwendung in akuten Notlagen. Bei einer auf Dauer angelegten Unterstützung beträgt die Zuwendungssumme jährlich 7.500 Euro, die in drei Teilbeträgen ausgezahlt wird. Die Einmalzahlungen belaufen sich derzeit auf einen Betrag von 2.300 Euro pro Kalenderjahr.

Durch die Zuwendungen soll den Künstler*innen die Möglichkeit geboten werden, auch weiterhin künstlerisch tätig zu sein oder auch finanzielle Aufwendungen, die ihnen durch Ihre bisherige künstlerische Tätigkeit entstanden sind, auszugleichen. 

Nach Rechtsauffassung der Deutschen Künstlerhilfe dürfen die Gelder nicht auf Sozialhilfeleistungen angerechnet werden, da sie nach dem Willen des Stiftungsgründers Bundespräsident Theodor Heuss ausdrücklich nicht in das Umfeld der Sozialfürsorge gerückt werden und nicht dem in § 1 SGB XII definierten Zweck der Sozialhilfe entsprechen. Im Übrigen sind die Zuwendungen gem. § 3 Ziffer 43 Einkommenssteuer-Gesetz (EStG) steuerfrei.

Ob ein*e Künstler*in die Voraussetzungen für eine Unterstützung aus Mitteln der Deutschen Künstlerhilfe des Bundespräsidenten erfüllt, prüft nicht das Bundespräsidialamt, sondern das für Angelegenheiten der Kultur zuständige Ministerium des Landes, in dem die*der Künstler*in ihren*seinen ersten Wohnsitz hat. Das bedeutet auch, dass die Zahlung einer finanziellen Zuwendung aus Mitteln der Deutschen Künstlerhilfe nur dann möglich ist, wenn sich besagte Behörde des Landes dafür ausspricht. Die finanziellen Beihilfen sind stets widerrufbar; auf sie besteht kein Rechtsanspruch.

Wer kann sich um Leistungen der Deutschen Künstlerhilfe bemühen?

  • Antrag/Bewerbung der Künstlerin/des Künstlers selbst: Ein*e in Not geratene ältere*r Künstler*in kann sich selbst an die zuständige Behörde (siehe unten) wenden und Leistungen der Deutschen Künstlerhilfe gewissermaßen beantragen bzw. sich für sie bewerben.
  • Vorschlag durch fachkundige Dritte
  • Alternativ kann auch eine Künstlerorganisation, die Interessenvertretung oder ein Landesverband eine*n Künstler*in oder mehrere Künstler*innen bei der zuständigen Behörde des Landes für die deutsche Künstlerhilfe vorschlagen.

Können nur männliche Kunstschaffende eine Hilfe erhalten?

Nein! Die Bezeichnung »Deutsche Künstlerhilfe« stammt aus einer Zeit, als eine geschlechtergerechte Bezeichnung die gleichsam aller Geschlechter einschließt, noch nicht üblich war. Die historische Bezeichnung ist bislang nicht verändert worden. Dennoch richtet sich die Deutsche Künstlerhilfe an alle Geschlechter.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Die Hilfe richtet sich an professionelle Kunstschaffende, mit einer künstlerischen Tätigkeit als Haupterwerbsquelle. Grundsätzlich unterstützt die Deutsche Künstlerhilfe Künstler*innen und Schriftsteller*innen, die mit ihrem Werk eine kulturelle Leistung für die Bundesrepublik Deutschland erbracht haben und durch Krankheit, Alter oder widrige Umstände in finanzielle Bedrängnis geraten sind.

Ein differenzierter Kriterienkatalog, auf deren Grundlage die Länder ihre Empfehlungen an den Bundespräsidenten erstellen, ist nicht verfügbar. Aus der Praxis der zurückliegenden Jahrzehnte ergeben sich folgende Anhaltspunkte zu Kriterien, die alle gleichermaßen erfüllt sein sollten (Empfehlungen ohne Gewähr):

  • Lebensalter: Nach Angaben des Bundespräsidialamtes gibt es keine fest definierte Altersgrenze. Aber das Programm richtet sich eindeutig an lebensältere Künstler*innen und Schriftsteller*innen, die auf ein jahrzehntelanges künstlerisches Schaffen zurückblicken. Erfahrungsgemäß dürfte es Personen unter einem Lebensalter von etwa Mitte 50 Jahren schwerfallen, dieses Kriterium zu erfüllen.
  • Künstlerische Leistungen: Künstler*innen sollten sich von der Formulierung »Beitrag zum kulturellen Ansehen der Bundesrepublik Deutschland« nicht abschrecken lassen. Eine belegbare jahrzehntelange professionelle künstlerische Tätigkeit im Haupterwerb bietet viele Ansatzpunkte für einen Beitrag zum Ansehen der Bundesrepublik Deutschland. Preise, Ehrungen, Würdigungen, eine besondere internationale Zusammenarbeit, ein besonderes Medienecho, die Bezugnahme anderer Künstler*innen auf das Werk etc. – all diese beispielhaft angeführten Punkte, können eine besondere künstlerischen Leistungen zusätzlich belegen.
  • Notlage: Gemeint ist eine besondere finanzielle Notlage – die durch verschiedenste Lebensumstände, Schicksalsschläge, Katastrophen oder z. B. durch eine schwere physische und psychische Krankheit bedingt sein kann. Eine Einschränkung der künstlerischen Arbeit durch die COVID-19-Pandemie kann grundsätzlich auch als Ursache für eine finanzielle Notlage angeführt werden. Aber es gilt: Alle drei der oben genannten Kriterien sollen erfüllt sein.

Was sollte der Antrag/eine Bewerbung enthalten?

Für den Erhalt von Leistungen der Deutschen Künstlerhilfe existiert kein vorgegebenes Form-blatt und die einzureichenden Unterlagen sind nicht genau definiert. Die Unterlagen sollten nachvollziehbar und übersichtlich die künstlerische Vita beschreiben und es sollte deutlich werden, dass die Künstlerin/der Künstler mit einer besonderen Notlage konfrontiert ist. Der Antrag kann also formlos gestellt werden. Er sollte folgende Unterlagen enthalten (Empfehlung ohne Gewähr):

  • Ein Anschreiben an die zuständige Behörde des Landes: Neben Anschrift und Telefonnummer, sollten aus dem Anschreiben die herausragenden Leistungen der*des Künstler*in bzw. wichtige künstlerische Stationen hervorgehen sowie die besondere Notlage der*des Künstler*in (nachvollziehbare Beschreibung).
  • Eine aussagekräftige künstlerische Vita: Die künstlerischen Vita sollte einen aussagekräftigen Überblick über das künstlerische Schaffen der*des Künstler*in geben.
  • Optional: ggf. Beleg(e) für das künstlerische Schaffen und die besondere Notsituation

Wer sicher gehen möchte, dass nichts fehlt, kann sich freundlicherweise noch einmal direkt an die zuständige Behörde des Landes wenden.

Bis wann kann mensch sich bewerben?

Anträge können ab sofort, unverzüglich und ohne konkrete Frist eingereicht werden.

Für dieses Jahr stehen noch Mittel zur Verfügung und bei unverzüglicher Antragstellung besteht die Chance, noch in diesem Jahr eine Künstlerhilfe zu erhalten.

Bei Anträgen, die formal in diesem Jahr nicht berücksichtigt werden können (z. B. weil der Antrag erst nach dem Haushaltsschluss im Dezember vorliegt oder weil die Mittel für 2020 zum Zeitpunkt der Prüfung bereits verausgabt sind), wird festgestellt, ob im Folgejahr eine Berücksichtigung erfolgen kann.  

Wo ist der Antrag einzureichen?

Die Einreichung erfolgt bei der Kulturverwaltung des Bundeslandes, in dem die*der Künstler*in Ihren/seinen Hauptwohnsitz hat. Die genaue Anschrift ist der nebenstehenden Information zu entnehmen. Der Antrag kann mutmaßlich auch elektronisch eingereicht werden. Eine postalische Einsendung der Unterlagen ist grundsätzlich immer möglich.

Wie erfolgt die Auswahl?

Die zuständige Kulturbehörde des jeweiligen Bundeslandes sichtet die Einreichungen, prüft die Unterlagen und den vorliegenden Antrag und reicht eine Liste mit Vorschlägen an das Bundespräsidialamt. Das Verfahren ist vergleichsweise unbürokratisch. Es besteht keinerlei Rechtsanspruch auf die Hilfsleistung.

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