Bayrische Kulturverbände: Die Künstler*innenhilfe geht knapp am Ziel vorbei!

In einer gemeinsamen Pressemitteilung vom 23. Mai 2020 des Verband Freie Darstellende Künste Bayern, des Bayerischer Landesverband für zeitgenössischen Tanz, des Netzwerk Freie Szene München, des Verband freier Kinder- und Jugendtheater in München, des Theaterbüro München und des Tanzbüro München fordern diese notwendige Modifizierungen der bayerischen Künstler*innenhilfe.

 

Die vollständige PM lautet wie folgt: Die gute Nachricht: Nach fast vier Wochen des Wartens gibt es ein Antragsverfahren für die bayerischen Künstler*innen, die bisher trotz anderweitiger Versprechungen kaum von staatlichen Hilfen profitierten. Sie können nun drei mal bis zu 1000 Euro monatlichen Zuschuss beantragen.

Wir begrüßen, dass nun endlich eine Unterstützung für unsere Kolleg*innen anläuft. Denn nach über zwei Monaten ohne jegliche Einkünfte wissen viele von uns nicht mehr, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. Wir begrüßen ebenfalls, dass auch Künstler*innen, die den KSK-Angehörigen gleichgestellt sind, und nicht-künstlerische Kolleg*innen aus kunstrelevanten Bereichen den Zuschuss beantragen können. Hoffnung macht zudem die Ankündigung eines Hilfsprogramms für Spielstätten.

Ganz ins Schwarze trifft dieses neue Hilfsmodell leider nicht.

Viele freie Künstler*innen haben mangels umfangreicher Betriebskosten bisher keine oder nur geringe Soforthilfe bekommen. Wer sein Essen oder die Miete bezahlen wollte, sollte Grundsicherung beantragen. Viele mussten das in den letzten Wochen mangels Alternativen und dahinschmelzender Reserven widerstrebend tun.

War die Hoffnung groß, mit der ergänzenden Künstler*innenhilfe Unterstützung zum (Über)Leben zu bekommen, kehrt nun Ernüchterung ein: Wer bisher Soforthilfe oder Grundsicherung erhalten oder auch nur beantragt hat, fällt bei dem neuen Verfahren durchs Raster. Freie Künstler*innen in Bayern dürfen also entweder überleben oder ihren Betrieb retten. Beides zusammen ist nicht vorgesehen. Eine unnötige Regelung, deren Sinnhaftigkeit sich vor allem in Bezug auf die Soforthilfe nicht erschließt.

Auch ist die Grundsicherung keine Lösung. Im Gegenteil: Sie diskriminiert! Während das Kurzarbeiter*innengeld das bisherige Einkommen berücksichtigt, werden bei der Grundsicherung keine Unterschiede gemacht. Sie lässt uns allen lediglich das Existenzminimum und zeigt, wie ungerecht soziale Sicherung in unserer Gesellschaft verteilt ist. Wer als Selbständige*r Verantwortung übernimmt, wird im Regen stehen gelassen. Freie Künstler*innen sind in dieser Krise mitnichten arbeitslos! Sie sind lediglich einkommenslos, weil der kleine Teil ihrer Arbeit, der honoriert wird – die Vorstellungen – im verständlichen Interesse der Allgemeinheit ersatzlos gestrichen wurde.

Künstler*innen müssen einen bedingungslosen Ausgleich ihrer Ausfälle bekommen - ohne sich für Rücklagen zur Kompensation einer fehlenden staatlichen Altersvorsorge rechtfertigen zu müssen, und ohne dass Partner*innen  gezwungen werden, ihre Lebensumstände offenzulegen.

Wir brauchen jetzt einen unbürokratischen und schnellen Übergang von der Grundsicherung hin zu einer kombinierten Sofort- und Künstler*innenhilfe, bedarfsabhängig, unkompliziert und zeitlich nicht begrenzt. Denn diese Hilfe wird weit länger nötig sein, als die vorgesehenen drei Monate. Für die wenigsten freien Künstler*innen bedeutet die ab Mitte Juni beginnende Öffnung der Bühnen die Möglichkeit zur Wiederaufnahme ihrer bezahlten Arbeit. Die Ausfälle und Verluste werden sich bis weit in das nächste Jahr ziehen.

Die freien darstellenden Künstler*innen stehen nicht wie große Teile der Gesellschaft am vorläufigen Ende der Krise – für viele von uns beginnt die Krise jetzt erst richtig!

Es wäre wünschenswert, dass Ministerpräsident Söder und die Staatsminister Sibler und Aiwanger unsere Gesprächsangebote, die seit Beginn der Krise bestehen intensiv nutzen, bevor Hilfsprogramme entworfen werden, die unnötige und fehlleitende Ausschlusskriterien enthalten. In dieser Krise sind praxisorientierte Lösungen gefordert, die üblichen Verfahren der Bürokratie sind weder zeitgemäß noch bedarfsgerecht. Die Vertretungen der freien darstellenden Künstler*innen wissen, wo die Not am größten ist, wir wissen, wie die dringend benötigte Hilfe dort ankommen kann.

Wer sich von uns beim Zielen helfen lässt, trifft auch ins Schwarze!

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